Remote Sternwarte

Aufbau der Remote-Sternwarte im April 2017
Meine Remote Sternwarte steht im Komashochland Namibias: Ein Takahashi FSQ-106 Refraktor auf einer 10Micron Montierung GM2000 wird über das Internet aus Deutschland gesteuert. Für die Aufnahme der Astrobilder stehen zwei Kameras zur Verfügung: SBIG ST-10 und eine SBIG STXL-11002. Über acht ip-Relais werden die mit dem Teleskop verbundenen Geräte (Host-Computer, Überwachungskamera, Astrokamera, Fokussierer, Montierung, Staubdeckel) mit Strom versorgt bzw. ein- und ausgeschaltet. Über ein eigens auf Hakos entwickeltes Webinterface kann das Dach der Sternwarte geöffnet oder geschlossen werden. Zur Beurteilung der Wetterlage kann eine auf Hakos installierte Wetterstation abgefragt werden. Beim Hochfahren des Host-Rechners wird Teamviewer gestartet und ein beliebiger Client-Rechner kann sich mit dem Host-Rechner verbinden, sofern beide Rechner an das Internet angeschlossen sind und der Client-Rechner die Zugangsdaten zum Host-Rechner kennt. Auf dem Host-Rechner wird die folgende Software ausgeführt: Teamviewer, MaxIm DL zur Steuerung der Astrokamera und der Montierung sowie Steuerprogramme für den Fokussierer und den Rotator. Während der nächtlichen Arbeit am Teleskop werden über den Teamviewer nur der Bildschirm des Host-Computers und die am Client-Computer eingegeben Steuerbefehle über die Internetleitung übertragen. Die aufgenommenen Bilder werden zunächst auf dem Host-Rechner gespeichert und erst ganz am Ende der Sitzung in eine Dropbox kopiert. Von dort werden sie dann asynchron auf den Client-Rechner zur weiteren Verarbeitung übertragen.
 


Erste Änderung März 2018
Beim Aufbau der Sternwarte konnte ich nicht einschätzen, wie stabil die Internetverbindung und die Geschwindigkeit des Datentransfers sein würde. Deswegen benutze ich am Anfang nur die Kamera SBIG ST-10, deren Bilddateien ca. 6MB umfassen, im Gegensatz zur SBIG STXL-11002, deren Dateien etwa viermal so groß sind. Nachdem in den ersten Monaten des Betriebs der Remote-Sternwarte bei der Übertragung der Bilddaten über die Dropbox nie ein Problem auftrat, ersetze ich im März 2018 die SBIG ST-10 durch die STXL-11002 mit dem Vollformatsensor 24mmx36mm.
Schon während des ersten Betriebsjahres konnte ich, ferngesteuert aus meinem zu Hause bei Berlin, eine Vielzahl von sehr schönen Fotos gewinnen, wovon ich früher nie geträumt hätte. Eine Auswahl ist hier zu sehen.
 
 
 
 


Erweiterung im Juni 2018
Die Erfahrungen mit der Remote-Sternwarte waren nach einigen Monaten trotz gelegentlicher Schwierigkeiten mit der Internetverbindung so ermutigend, dass der Wunsch aufkam, neben dem Takahashi FSQ-106 noch ein zweites Teleskop mit größerer Brennweite auf die Montierung zu stellen. Werner Möhler, ein Astrofreund aus Aachen, den ich schon seit vielen Jahren kenne, schlug vor, sein 12,5″ Spiegelteleskop nach Namibia zu bringen und mit mir die Sternwarte gemeinsam zu betreiben. Obwohl sein Vorschlag für mich völlig überraschend kam, stimmte ich spontan zu, denn die Aussicht auf die zu erwartende fruchtbare Zusammenarbeit versprach für uns beide nur Positives und motivierte uns, den Transport nach Namibia von Werners Teleskop, ein Ritchey-Chrétien mit 12,5″ Öffnung und einer Brennweite von 1680 mm, und den Aufbau in der Remote-Sternwarte sofort zu planen. Die Montierung musste umgebaut und die Steuerungstechnik mit der Stromversorgung in der Sternwarte, bisher nur für ein Teleskop ausgelegt, musste für ein zweites Gerät, inklusive Kamera, Fokussierer und Staubklappe erweitert werden. Nach etwa zweiwöchiger Montagearbeit auf Hakos funktionierte alles und die ersten Bilder waren sehr ermutigend. Leider bemerkten wir bei genauerer Prüfung jedoch einen kleinen Kollimationsfehler von Haupt- und Sekundärspiegel, vermutlich infolge einiger Erschütterungen, die das Teleskop auf der Reise zu seinem Bestimmungsort am Fuße der Hakosberge erlitten hatte. Da wir nicht die ersten sind, denen die perfekte Installation eines Teleskopes nicht auf Anhieb gelingt, vertrauen wir auf eine erfolgreiche Servicemission im März den Jahres 2019.